Welcome to Cambodia

Meine ersten Eindrücke aus Südostasien

Meine Asienreise beginnt mit einer Tuk-Tuk Fahrt durch die Umgebung von Siem Reap, Kambodscha. Es ist meine erste Reise nach Asien und das alleine. Seit Monaten habe ich mich darauf gefreut und bin jetzt doch etwas überfordert, als ich von der Hitze, den Gerüchen und Geräuschen überwältigt werde. Die Neugierde siegt und ich bin froh, dass ich mich dazu entscheide mich von einem der vielen Tuk-Tuk Fahrer auf der Straße überreden zu lassen mit ihm einen Ausflug zu den Reisfeldern, Lotusfarmen und den berühmten Floating Villages zu machen, die es in der Umgebung zu Hauf gibt.

Kurzerhand entscheide ich mich gegen das Floating Village zu dem mich der Fahrer bringt. Es ist das nächste zu der Stadt Siem Reap und somit auch das touristischste. Viel mehr interessiert mich das Dorf durch das wir hindurchgefahren sind – echte Menschen, mit echten Geschichten. Ich überrede den verdutzen Tuk-Tuk Fahrer umzudrehen und mich wieder in das Dorf zu bringen. Er versteht nicht warum ich es mir anschauen will. „Da gibt es doch nichts zu sehen, außer Menschen“, sagt er zu mir. Genau diese realen Menschen interessieren mich aber am meisten.

Als wir wieder zurück in dem Dorf ankommen hat sich eine riesige Menschenmenge um einen Lastwagen angesammelt. Tuk-Tuks, Motorräder und Fahrräder kommen aus allen Richtungen herbei und fahren, vollbeladen mit Menschen und prallgefüllten Säcken, wieder davon. In gebrochenem Englisch erklärt mir mein Fahrer, dass die Regierung dem ärmsten Teilen der Bevölkerung Reis zur Verfügung stellt, damit diese nicht verhungern. Es fühlt sich an als wäre das gesamte Dorf und auch Menschen aus der näheren Umgebung anwesend. Widererwarten herrscht trotz des Anlasses eine fröhliche Stimmung. Die Schule des Dorfes hat ebenfalls gerade aus und so mischen sich die Schulkinder in ihren Uniformen unter die Kinder, deren Eltern wohl kein Geld haben ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen (Anm. Autorin).

Ich bekomme die Möglichkeit ein paar dieser Menschen zu fotografieren und mit ihnen Gespräche zu führen. Diese Gespräche führen wir mit Händen und Füßen und vor allem mit unserem Lächeln, das universal zu verstehen ist, da meine Gegenüber kaum bis gar kein Wort Englisch verstehen. Das macht mir aber nichts aus. Was ich verstehen muss, versteh ich schon. Ich schaue in viele strahlende Gesichter und spüre, dass glücklich sein in seiner Grundform tatsächlich nichts mit materiellen Dingen zu tun hat.

Es ist wahnsinnig dreckig und überall stapeln sich Berge von Müll, alten Fahrrädern und sonstige Dinge, die auf den Straßen liegen gelassen und (absichtlich) vergessen wurden. An den Straßenrändern verbrennen die Menschen Müll – vorwiegend Plastik. Der Geruch ist streng und ich halte mir die Nase zu, auch wegen den vielen Schadstoffen aus dem Rauch. Den Menschen hier scheint das nichts auszumachen, wissen sie doch nichts über die Schädlichkeit der Müllverbrennung oder generell über Umweltschutz. Man darf es ihnen auch nicht vorwerfen – schon gar nicht in der westlichen Überheblichkeit, die wir gerne an den Tag legen, wenn es um solche Themen geht. Wir sind viel zu schnell dabei Menschen für ihre Lebensweise in solchen Ländern zu verurteilen, ohne vorher reflektiert darüber nachzudenken, ob diese Menschen überhaupt die Möglichkeit haben etwas darüber zu lernen oder sogar schon zu wissen. In unserer westlichen Überheblichkeit nehmen wir das einfach an. Genauso wie wir annehmen, dass diese Menschen ja nichts haben und somit auch nicht glücklich sein können. Ein großer Irrtum! Die Menschen hier wirken auf mich fröhlich – sie kennen ja auch nichts anderes. Familiäre Strukturen haben hier eine viel tiefsinnigere Bedeutung als bei uns. Jeden den ich hier gefragt habe, was Glück für ihn/sie bedeutet hat mit “Family” geantwortet. Es macht ihnen nichts aus, dass sie in Wellblechhütten wohnen, keine Klimaanlage haben und nicht im Luxus schwelgen, solange sie einander haben.

Zum ersten Mal (und nicht zum letzten Mal) während dieser Reise schäme ich mich für das westliche Verständnis, wie die Welt auszusehen habe, und vor allem die westliche Überzeugung, dass nur die westliche Denkweise richtig ist. Glück hat nichts mit Materialismus zu tun. Und auch wenn wir das in der westlichen Welt auch oft beteuern, dass uns immaterielle Dinge glücklicher machen als Materielle, so bin ich doch überzeugt, dass wir uns ohne unseren ganzen „Luxus“ als nicht glücklich bezeichnen würden. Die Menschen hier nicht. Sie leben einen bodenständigen Glücksbegriff.

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